Something is rotten in the state of Baden-Württemberg

Der Antisemitismusbeauftragte Michael Blume macht mit Anfeindungen gegen Malca Goldstein-Wolf auf sich aufmerksam, doch die sind von FAZ bis taz keine Meldung wert.

Etwas muss Michael Blume an seiner Jobbeschreibung wohl falsch verstanden haben. Statt mit Freunden der antisemitischen Muslimbruderschaft Integrationsphrasen von sich zu geben und jüdische Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren anzufeinden, wäre das Gegenteil seine Aufgabe gewesen. Vielleicht sind es die Spätfolgen seiner Heideggerlektüre, die ihn dazu veranlasst haben könnten, das Wort Antisemitismusbeauftragter auf der Suche nach dessen eigentlicher Bedeutung in seine Bestandteile zu zerlegen. Anschließend konnte er es – in Manier postmoderner Heideggerfans – um so deutlicher in sein Gegenteil zu verkehren. Aber Spekulationen – so plausibel sie auch sind – helfen nicht weiter. Um dem fauligen Geruch dieser Geschichte auf den Grund zu gehen, müssen wir uns daher hinter die blumige Fassade in die Jauchegrube begeben.

Was ist passiert?

In Kürze: Malca Goldstein-Wolf thematisierte am 25.02.2019 in einem twitter-Post Blumes Zusammenarbeit mit einer Organisation, die der Muslimbruderschaft nahe steht. Blume sah darauf hin nicht nur sich selbst, sondern seine ganze Familie in den Schmutz gezogen und zeiht Goldstein-Wolf einer Verschwörungstheorie, die ihn in Verbindung mit den Islamisten bringe. Die Autorin schrieb hingegen nichts von einer Verschwörung und schon gar keine Theorie, sondern sprach Fakten aus. Eine Verschwörungstheorie, die sich dem Leser hier aufdrängen könnte, wäre beispielsweise, dass Michael Blume mit dem Verschwörungsrapper Felix Blume (alias Kollegah) verwandt ist, der gern mit antisemitischer Symbolik spielt, und darum auch seine ganze Familie unter Beschuss sieht.

Doch damit nicht genug. In einem darauf folgenden Shitstorm wurde Goldstein-Wolf nicht nur massiv angefeindet, ihr wurde sogar ihre jüdische Identität abgesprochen. Blume zog es vor, sie nicht gegen diese antisemitischen Ausfälle in Schutz zu nehmen und legte noch einmal kräftig nach. In dem Artikel „Eichmann, Breivik, Spencer und der Terrorangriff von Christchurch – Der Ethnonationalismus als Verbindung aus Antisemitismus und Rassismus“ [1] vom 16.03.2019 stellt er Goldstein-Wolf ernsthaft in eine Reihe mit den im Titel genannten Antisemiten. Das erinnert doch stark an die antisemitische Abwehrreflexe derer, die immer wieder versuchen den Juden eine Mitschuld an der Shoah zu geben. Wenn Antisemiten Juden in die Nähe des NS rücken, können sie anschließend um so lustvoller den einzigen jüdischen Staat kritisieren und im selben Atemzug die Deutschen von ihrer Schuld ein Stück freisprechen. Zwei Fliegen mit einer Klappe…

Das beschämende ist, das einzig der Blog Tapfer im Nirgendwo ausführlich davon berichtete [2]. In den großen Meinungsmedien bleiben die skandalösen Vorgänge hingegen unerwähnt. Antisemitismus ist in Deutschland nur wegen seiner Antisemiten interessant. Wenn er von einen Antisemitismusbeauftragen kommt, wird es den deutschen Journalisten zu kompliziert.

Die neuen Juden?

Die himmelschreiende Wirrheit der Statements von Blume und dessen böswillige Unterstellungen gegen Goldstein-Wolf werden im besagten Text von Thesen zu einem „Digitalen Antisemitismus des 21 Jahrhunderts“ergänzt. Die Besonderheiten des Antisemitismus kann Blume nicht erfassen und so auch nicht in ihrer Singularität hinnehmen. Für ihn ist es nicht hinnehmbar, dass Juden eine Feindschaft entgegenschlägt, die eben nicht mit anderen Ideologien gleichgesetzt werden kann. Darum müssen für ihn eben auch Muslime in die Gruppe der Menschen fallen, die vom Antisemitismus angefeindet werden. Auf diese Weise interpretiert er – ebenfalls in bester postmoderner Manier – Antisemitismus implizit zu einem Rassismus gegen Juden um. Dieser neue Antisemitismus gegen Muslime scheint für ihn sogar schwerer zu wiegen. Eine Jüdin, die sich gegen islamischen Antisemitismus wehrt passt daher so gar nicht in sein Konzept.

Mit der Erweiterung des Begriffs von Antisemitismus folgt er einem Trend, der schon vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung vorgezeichnet wurde. Mehr als mit der Judenfeindschaft beschäftigt man sich dort mit dem Hass auf Muslime oder Menschen, die dafür gehalten werden. [3] Der ehemalige Leiter des ZfS, Wolfgang Benz hat sich darum gleich vorsorglich als „Vorurteilsforscher“ umdefiniert und betreibt die Gleichsetzung des Antisemitismus und des Hasses gegen Muslime auch nach seiner Emeritierung fleißig weiter. Folgerichtig ist im Berliner Bollwerk gegen den Judenhass niemand dazu bereit, muslimischen Antisemitismus zu benennen oder gar zu kritisieren. Stattdessen wird beschwichtigt und das Phänomen mit der Macht allerhöchster Wissenschaftlichkeit auf Einzelfälle reduziert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass auch das ZfA mutmaßlich mit antisemitischen islamischen Organisationen zusammen arbeitet [4].

Sowohl Benz als auch Blume sind Antisemitismusuminterpretierer und -verharmloser im Staatsauftrag. Weder scheuen sie die Zusammenarbeit mit (muslimischen) Antisemiten, noch eine Ausdehnung ihres Forschungsgegenstandes bis zur Beliebigkeit. Wer solche Antisemitismusexperten hat braucht keine Feinde mehr. Der stets besorgte Blume scheut sich hingegen nicht mehr, Menschen, die ihn für seine Heuchelei kritisieren, gezielt zu diffamieren. Sollte Michael Blume entgegen aller Befürchtungen doch endlich einmal als Antisemitismusbeauftragter abgesetzt werden steht zu hoffen, dass man sich im zuständigen Ministerium nicht gleich dazu entscheidet einen Muslimbruder in das Amt einzusetzen.

CETERUM CENSEO GERMANIAM ESSE DELENDAM

[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/eichmann-breivik-spencer-und-der-terrorangriff-von-christchurch-der-ethnonationalismus-als-verbindung-aus-antisemitismus-und-rassismus/?fbclid=IwAR0Yi3XWz-wtHKY-g3n7kAQXHewoi3kq__OSy4zSu5uORHu6vvpRAeyD7Is
[2] https://tapferimnirgendwo.com/2019/03/18/antisemitismus-beauftragter-blume-rueckt-juedin-in-die-naehe-von-adolf-eichmann/
[3] https://lizaswelt.net/2008/12/11/zentrum-fur-ahnungslose/
[4] https://lizaswelt.net/2018/10/14/kooperiert-das-zfa-mit-israelhassern/


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